Nerddeutschland

Der Blick durch die Hornbrille!

Hektisch, Technisch, Elektrisch: Meinungen & Befindlichkeiten eines Newsjunkies. Medien, Politik, Mobiles Leben, E-Commerce.

Blogpost: “Miss es, oder vergiss es!” - Lose Gedanken zum Umgang mit Daten

Eigentlich ein klasse Geschäftsmodell, das TomTom da angeblich betreibt.

Eine Art “Perpetuum Mobile”: Verkaufe Blitzerdaten teuer an die Kunden & verdeale deren Bewegungsdaten gleichermaßen heimlich an den Staat, der die Daten der Polizei übergibt, für eine optimale Blitzer-Positionierung?

Wie eine Lok bei Jim Knopf, die sich selbst über die Schienen zieht, indem man vorne eine Angel mit einem großen Magneten daran befestigt…

Aus kaufmännischer Sicht könnte man da ja nur den Hut ziehen. [Nur erwischen lassen sollte man sich dabei halt nicht. Man hätte vielleicht diskret einen externen Datenhändler nutzen sollen, der in dem Geschäft als Strohmann fungiert…?]

Eine Ausnahmeerscheinung, ein einmaliges Schurkenstück mit “HanSolo-Faktor?” Mitnichten.

Die Gerüchte um TomTom zerren nur im ein Geschäft an die Öffentlichkeit, dass sonst lieber im Verborgenen bleibt: den Datenhandel.

Was wird mit den erworbenen Daten dann in der Regel eigentlich gemacht?

“Vertriebsoptimierung mit quantitativen, wissenschaftlichen Methoden”

Wobei der Begriff “Vertrieb” mittlerweile durch viele unternehmerische Ziele und Teilziele ersetzt werden kann. Platzierung von Werbung, Standortbestimmung,…whatever.

Kundendaten lassen sich kummulieren, mit statistischen Methoden über Software -Tools auswerten und in und an Datenbanken übergeben…

Gäbe es für die Erkenntnisse einen Markt, dann müsste, induziert durch diese neue Vielfalt an Möglichkeiten Daten zu gewinnen und zu analysieren, ja bereits den Rohdaten betriebsintern ein Wert zugerechnet werden, sie stellen de facto einen Vermögenswert dar.

“Automatisierung macht Daten nutzbar(er).”

Auf diesen einfachen Nenner kann man es bringen: Je fortschreitender die technische Entwicklung und damit der Grad an Automatisierung, desto einfacher lassen sich Kundendaten auswerten, nutzen und auch vermarkten. Ein attraktiver Markt, der Begehrlichkeiten weckt. Wer weiß schon genau, welche Geschäfte dort in der Grauzone am Rande, oder unterhalb des Datenschutz-Radars sonst noch so getätigt werden…

Die bisher in der Öffentlichkeit diskutierten “Aufreger”, die regelmäßig breit getreten wurden, beschränkten sich früher überwiegend auf Effekte wie z.B. unerwünschte Call- Center- Anrufe, aktuell auf eine “diffuse” Angst vor dem Tracking von Personen- wie auch Bewegungs- Daten durch Mobile Devices und den Mißbrauch von KK- Daten.

Wofür diese Daten letztlich konkret sonst noch genutzt werden könnten, das blieb bisher oft im Unklaren.

Das Topic war in erster Linie lediglich: Die “Angst vor Mißbrauch” als solchem.

Sofern die Informationen zum Sachverhalt der Wahrheit entsprechen, zeigt der “Fall TomTom” nun auf, wohin die Reise bzgl. “Mißbrauch” noch gehen kann:

Dass Blitzer (in Holland) schon lange nicht mehr der Erhöhung der Verkehrssicherheit wegen errichtet werden, sondern in erster Linie der Entlastung kommunaler und städtischer Kassen (in Holland) dienen sollen, dass haben wir (Holländer) schon alle irgendwie geahnt und uns darüber geärgert. Diese Ahnung hat sich jetzt bestätigt. Denn eigentlich sollten ja nicht Raser-Statistiken über solche Standorte (in Holland) entscheiden, sondern Unfall- Statistiken…

Welche Befürchtungen sich zukünftig erst noch zeigen und bestätigen werden, das weiß ich nicht, aber durch die Digitalisierung in Alltag und Beruf und die Bereitschaft des “Mitmachens”, wird sich sicher noch der ein oder andere Deal als Scoop in Sachen Datenhandel offenbaren.

Die technischen Entwicklungen in MaFo, Data Mining, Data Publishing, Datenbank- Entwicklung & CloudIT(SaaS) schreiten mit 7-Meilen-Stiefeln voran: Auswertungsmethoden und Anwendungsgebiete im Umgang mit Datensätzen, die vor ein paar Jahren noch ausgewiesenes Expertenwissen und teures Equipment verlangten, sind heute bereits in “günstigen” Software- Paketen enthalten. Man muss oft nur noch das “Was” kennen und definieren, das “Wie” erledigen Rechner.

Tiefergehende Kenntnisse, also Wissen über Multivariate Analysemethoden (die früher als Einstiegshürden in diesen Markt angesehen werden konnten) die sind oft nicht mehr gefragt. Und wenn Expertenwissen benötigt wird, dann kann man das als Beratungsleistung einkaufen:

“Zeige mir Deine Kundendaten, ich werte sie aus, ermittle Einsatzgebiet und das Vermarktungspotenzial sowie einen passenden Kundenkreis, verkaufe sie innerhalb dessen, ohne dass Du genannt wirst, und bekomme dafür eine Provision. Das ganze rechnen wir als Beratungsleistung für einen regulären Geschäftsbereich in deinem Kerngeschäft ab. Kostenpunkt je nach Datenvolumen und Projektdauer zwischen 50.000€-100.000€. Zusatzleistungen in Tagessätzen von 2000€.”

Klingt nach einem guten Geschäftsmodell.

Waren heruntergewirtschaftete Unternehmen früher noch für Käufer attraktiv, um sich lediglich die Markenrechte einzuverleiben (z.B. Grundig), geht es und wird es zukünftig vermehrt auch um die Frage gehen: “Welchen Datenpool gibt es hier abzugreifen, und wie ist der zu bewerten?”

Darf man das offiziell eigentlich? Wenn “Nein”, wer überwacht das, wie kann man das kontrollieren? Eigentlich garnicht: wenn zwei sich einig sind wandern Nullen und Einsen unbemerkt von einem Server zum anderen. Oder?

Erinnert sich noch jemand an das Ende von “?€&?!”? Wurde von “?!€&:” übernommen. Was war für die Hamburger da eigentlich interessant? Die Marke, die Logistikstandorte, und/ oder der Bestand an Kundendaten? Gab es bzgl. der Daten da nicht sogar eine hitzige Debatte im Vorfeld? …

“Miss es, oder vergiss es!”?

Ist Cafeten- Sozialhygiene aus Uni- Zeiten.

“Weiche” Faktoren galten in der Lehre wenig. Es gab z.B. keine Veranstaltung Marketing- Psychologie. Das war beiden Fakultäten “nicht wissenschaftlich genug.” Alles was nicht “konkret messbar” gemacht werden konnte, war in der WiWi- Lehre als “prosaisch” und “esoterisch” verpönt (z.B #CluetrainManifest).

Wenn man sich an der Cafete traf und kollektiv über irgendwelches bretthartes verschrobenes Mikrotheorie- oder anderes Rechen- Martyrium etc. aufregte, kam immer jemand mit einem wölfischen Grinsen um die Ecke, klopfte auf die Schulter und haute den Spruch raus: “Mensch, regt Euch nicht auf, ihr wisst doch wie es hier läuft: “Miss es, oder vergiss,es!”

Ein Runner, irgendwer lachte immer…

Damals ein Ärgernis, so bin ich heute fast froh darüber, einmal so straight auf ein Kennzahlenbewusstein “gedrillt” worden zu sein: der dadurch induzierte kritische Blick auf “prosaischen” BusinessSprech schadet imo generell nicht, und das Gefühl von Kontrollverlust in der Digitalen Welt fällt bei mir (gefühlt) geringer aus, als in meiner Umgebung.

Nicht, dass ich deshalb leichtfertig mit meinen Daten umgehen würde. Ich bin jedoch weniger ängstlich und stelle mir jeweils die Frage: wer kann was in welchem Kontext damit anfangen, worin besteht also das Mißbrauchspotenzial und welcher konkrete Schaden kann mir entstehen? Da ich mir diese Frage oftmals selbst beantworten kann, ist mein Umgang offener: ich empfinde die Weitergabe meiner Daten weniger als eine unklare, abstrakte Unsicherheit (wie ich es in meinem Bekanntenkreis häufig erlebe), denn als kalkulierbares Risiko: ich kann in der FuZo beklaut werden, wie auch im Internet(unabhängig von der Schuldfrage): Beides kann passieren, aber wo Risiken&Maßnahmen bekannt sind, da kann man sich auch weiterhin aufhalten…

Oder?

Von meinem iPhone gesendet

  • 4 Mai 2011
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